Supercenter Wall-E

Eine große US-Amerikanische Kette hatte kurz zu der Jahrtausendwende die Idee, ihr Konzept nach Deutschland zu bringen. Da die Größenordnung der Geschäfte nicht ganz so Deutsch waren, musste der Konzern zusehen, dass hier ausreichend Ladenfläche errichtet wird. Idealer weise natürlich nach den eigenen Vorlieben, aber ohne selbst investieren zu müssen. Doch wie macht man dies? Ganz einfach. Man sich einen Investor der einen ein komplettes Center nach eigenen Vorstellungen aus dem Boden stampft und verspricht über lange Zeit ein Pacht zu zahlen, die ohne Probleme die Kosten für den Bau decken.

Aussicht zum Haupteingang

Damit der Investor on Top noch Geld verdienen kann, wurde weitere Lokale mit in die Verkaufshalle integriert. Groß genug das sich die Pacht lohnt, aber so klein das die keine Konkurrenz zum Großen sein können. Gesagt, getan! So wurde recht bald das Verkaufsareal erbaut. Die reine Verkaufsfläche des großen Marktes betrug über 7000 Quadratmeter. Für eine Stadt, die zu dem Zeitpunkt grade mal 45.000 Einwohner hatte, ist das schon sehr optimistisch.

Das Konzept des Amerikaners ging auch nicht auf und so schloss der Markt seine Pforten nach knappen fünf Jahren. Die anderen kleinen Stores erhielt zwar erst dadurch einen Schub, weil ein großer Konkurrent weggebrochen ist. Aber es fing sich recht schnell an zu rechen.

Ein Shop der Schuhe liebt.

Die fehlenden Einnahmen beim Betreiber des Centers veranlassten ihn, die Mieten zu erhöhen. Außerdem wurde langsam Reparaturen fällig, die er aber nicht bezahlen konnte. Somit wurde das Einkaufszentrum recht schnell zu einem Chaos-Center. Der immer schlechter werdende Zustand schreckte dann auch immer mehr die Kundschaft ab, weswegen nach und nach immer mehr Geschäfte geschlossen haben.

Manche Räumlichkeiten haben wieder Nachmieter gefunden, doch auch hier war immer ein Kommen und Gehen der Shops. Zwischenzeitlich wurde der Komplet immer mal wieder an Investoren verkauft, die hier der Stadt alles so schmackhaft gemacht haben wie es nur geht. Allerdings wurde hier nie etwas renoviert und dem die Abschriften vom Finanzamt abgesegnet waren, stand wieder mal alles zum Verkauf.

Tolles Design in edler Endzeitstimmung

Der letzte Laden schloss dann 2016 zum letzten mal ab. Seitdem steht mitten in der Stadt und ganz prominent ein Brache bei der die einheimischen nur den Kopf schütteln. Die Dorfjugend sucht sich auch immer wieder mal den Weg in das Gebäude und randaliert hier, als gäbe es kein Morgen. Feuerlöscher werden ausgelöst, obwohl es nicht brennt. Feuer wird gelegt und die Feuerlöscher bleiben liegen. Eingetreten wird alles was weicher, als ein Fuß ist und Rest wird mit Werkzeugen zerstört.

Auch wenn ich persönlich ein Freund von Lost Places bin, so hoffe ich doch das dieser Spuk bald ein Ende hat. Entweder durch Abriss oder aber (und das wär mir am liebsten) durch eine sinnvolle Nutzung.

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